Symptome wie Druckstellen, Schmerzen, Wackeln oder Probleme beim Kauen sollten Sie bei schlecht sitzendem Zahnersatz nicht dauerhaft hinnehmen. Eine Prothese kann sich am Anfang ungewohnt anfühlen. Bleiben Beschwerden bestehen, verändert sich der Biss oder ist das Gewebe unter der Prothese entzündet, sollte die Ursache zahnärztlich geprüft werden. Dieser Ratgeber erklärt, welche Warnzeichen wichtig sind, warum Zahnersatz nicht mehr passen kann und welche Lösungen je nach Befund infrage kommen.
Welche Symptome zeigen, dass Zahnersatz nicht richtig sitzt?
Gut sitzender Zahnersatz sollte die Belastung möglichst gleichmäßig verteilen und Ihnen Sicherheit beim Essen und Sprechen geben. Je nach Zahnersatzart äußern sich Passungsprobleme jedoch unterschiedlich.
Rutschender Zahnersatz, anhaltende Druckschmerzen oder ein veränderter Biss sind deutliche Hinweise. Probleme mit schlecht sitzendem Zahnersatz können aber auch schleichend beginnen. Deshalb ist es sinnvoll, Veränderungen am Sitz des Zahnersatzes frühzeitig wahrzunehmen.
Bei Zahnprothesen: Druckstellen, schlechter Halt und Probleme beim Essen
Herausnehmbare Prothesen sollten fest und stabil sitzen, ohne einzelne Bereiche der Mundschleimhaut übermäßig zu belasten. Druckstellen und Schmerzen entstehen häufig dort, wo ein Prothesenrand reibt oder der Kaudruck ungleichmäßig verteilt wird. Die Schleimhaut kann gerötet, wund oder berührungsempfindlich sein.
Hält die Zahnprothese nicht beim Essen, kippt sie beim Abbeißen oder löst sie sich beim Sprechen, spricht das ebenfalls für eine eingeschränkte Stabilität. Weitere mögliche Beschwerden sind:
- Schwierigkeiten beim Sprechen,
- Probleme beim Kauen,
- ein Klicken der Prothese beim Sprechen,
- Speisereste unter der Prothesenbasis,
- einseitige Druckschmerzen,
- ein Fremdkörper- oder Würgegefühl.
Bei neuem Zahnersatz kann es anfangs so wirken, als sei der Zahnersatz zu dick oder nehme zu viel Raum ein. Ein solches Gefühl kann nachlassen, sobald Sie sich an den Zahnersatz gewöhnt haben. Eine Prothese, die offene Stellen oder starke Schmerzen verursacht, sollte zeitnah kontrolliert und je nach Befund angepasst werden.
Auch Schwellungen und Blutungen beim Zähneputzen verdienen Aufmerksamkeit. Bei Teilprothesen können das Zahnfleisch um die verbliebenen Zähne oder die Schleimhaut unter der Prothese betroffen sein. Unter einer Vollprothese liegt die Prothesenbasis überwiegend auf der Mundschleimhaut.
Bei Krone oder Brücke: Schmerzen, störender Biss oder Lockerungsgefühl
Wenn eine Zahnkrone nicht richtig sitzt, bemerken Patienten häufig zuerst einen störenden Kontakt beim Zusammenbeißen. Der überkronte Zahn scheint früher als die übrigen Zähne auf den Gegenzahn zu treffen. Daraus können Schmerzen beim Kauen oder das Gefühl entstehen, der Zahnersatz werde ungleichmäßig belastet.
Bei einer Zahnbrücke, die nicht richtig sitzt, können ein Lockerungsgefühl oder Schmerzen auftreten. Außerdem können sich wiederholt Speisereste am Brückenrand festsetzen. Auch gereiztes Zahnfleisch und ein unangenehmer Geschmack können Gründe für eine Kontrolle sein.
Beschwerden beim Öffnen des Mundes, Verspannungen oder Kiefergelenkschmerzen beweisen nicht automatisch, dass die Krone oder Brücke verantwortlich ist. Eine veränderte Bisslage kann jedoch eine Rolle spielen und sollte deshalb in die Untersuchung einbezogen werden.
Gründe, warum eine Zahnprothese nicht mehr passt
Eine gut sitzende Zahnprothese entsteht aus dem Zusammenspiel von Form, Randgestaltung, Biss und Mundsituation. Nicht immer liegt ein ursprünglicher Herstellungsfehler vor, wenn eine Zahnprothese nicht mehr passt. Mundschleimhaut und Kiefer verändern sich im Laufe der Zeit, während die Prothese ihre Form weitgehend behält.
Nach einem Zahnverlust kann sich der Kieferknochen im Bereich der ehemaligen Zahnfächer allmählich umbauen und teilweise abbauen. Dadurch kann sich das Prothesenlager verändern. Der Sitz der Prothese wird lockerer, obwohl sie zuvor über längere Zeit gut funktioniert hat. Solche Veränderungen können Ober- und Unterkiefer betreffen.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Verschleiß der Prothesenzähne oder Halteelemente,
- beschädigte Klammern oder Verbindungselemente,
- Veränderungen an Pfeilerzähnen,
- fehlende oder beschädigte Zähne, die zuvor Halt gegeben haben,
- Heilungsveränderungen nach einer Zahnentfernung,
- eine Entzündung der Schleimhaut,
- ungünstige oder veränderte Bisskontakte.
Bei implantatgetragenem Zahnersatz können außerdem Halteelemente verschleißen oder sich entzündliche Veränderungen im Bereich der Implantate entwickeln. Dass die Prothese lockerer wird, sagt daher noch nicht, welche Ursache tatsächlich vorliegt.
Wenn die Zahnprothese im Unterkiefer nicht hält, spielen häufig die im Vergleich zum Oberkiefer kleinere Auflagefläche sowie die Bewegungen von Zunge und Mundboden eine Rolle. Besonders beim Sprechen und Kauen können diese Kräfte eine Unterkieferprothese leichter verschieben. Auch hier müssen Passung und Biss individuell geprüft werden.
Welche Folgen kann schlecht sitzender Zahnersatz haben?
Die Folgen schlecht sitzenden Zahnersatzes bleiben häufig zunächst auf den Mundraum begrenzt. Wiederkehrende Reibung kann die Schleimhaut verletzen und Druckstellen verursachen. Eine unzureichende Passung kann die Schleimhaut mechanisch reizen und dadurch entzündliche Veränderungen begünstigen (Gendreau, 2011).
Als Prothesenstomatitis wird eine entzündliche Veränderung der von einer Prothese bedeckten Mundschleimhaut bezeichnet. Sie kann unter anderem durch mechanische Reizung, Beläge, dauerhaftes Tragen und eine Pilzbesiedlung begünstigt werden. Nicht jede Rötung ist jedoch automatisch eine Infektion oder Prothesenstomatitis.
Schlecht sitzende Prothesen können außerdem dazu führen, dass Betroffene langsamer, einseitig oder nur noch weiche Nahrung kauen. Hinzu kommen möglicherweise Schwierigkeiten beim Sprechen und die Sorge, dass ihr Zahnersatz in Gesellschaft verrutschen könnte. Gerade wenn die Zahnprothese unerträglich erscheint, kann das die Lebensqualität deutlich einschränken.
Eine schlecht passende Prothese kann lokale Verletzungen, Entzündungen und Probleme bei der Nahrungsaufnahme fördern. Allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Unwohlsein beweisen aber nicht, dass die Zahnprothese die Ursache ist. Patienten beschreiben mitunter das Gefühl, die Zahnprothese drücke auf einen Nerv. Elektrisierende Schmerzen, Brennen, Taubheit oder andere Gefühlsveränderungen sind keine normalen Eingewöhnungsbeschwerden und sollten zeitnah untersucht werden.
Anhaltende Wunden, Schmerzen und Schleimhautveränderungen sollten nicht ignoriert werden. Tragen Sie die Prothese bei starken Beschwerden nicht dauerhaft weiter und beschleifen Sie sie nicht selbst.
Wie stellt ein Zahnarzt die Ursache fest und was lässt sich tun?
Für die Beurteilung von Passungsproblemen ist es hilfreich, medizinische und zahntechnische Fragen zusammenzudenken. Als Zahnarzt untersucht Maximilian Sattler Zähne, Schleimhaut, Kiefer und Biss. Seine zusätzliche Qualifikation als Zahntechnikermeister ergänzt diesen Blick um Faktoren wie Prothesenform, Materialstärke, Randgestaltung und technische Passung.
Für Patienten besteht der Vorteil darin, dass biologische und konstruktive Ursachen gemeinsam eingeordnet werden können. Das bedeutet nicht, dass jeder Zahnersatz sofort repariert oder jede Beschwerde durch eine technische Anpassung beseitigt werden kann. Es erleichtert aber eine nachvollziehbare Beurteilung, welche dieser Maßnahmen sinnvoll ist.
Bei der Kontrolle durch Maximilian Sattler steht zunächst die Frage im Mittelpunkt, wann und in welcher Situation die Beschwerden auftreten. Wichtig ist beispielsweise, ob es Probleme beim Essen, beim Zusammenbeißen, beim Sprechen oder beim Öffnen des Mundes gibt. Auch der Zeitpunkt des Einsetzens und die bisherige Entwicklung helfen bei der Einordnung.
Anschließend werden Mundschleimhaut, Zahnfleisch und vorhandene Zähne untersucht. Bei herausnehmbarem Zahnersatz werden unter anderem die Prothesenränder, die Auflage, der Halt und mögliche Druckstellen geprüft. Auch Risse, verschlissene Halteelemente und die Verteilung der Bisskontakte werden berücksichtigt.
Bei Kronen und Brücken richtet sich die Untersuchung zusätzlich auf Randbereiche, Befestigung, Pfeilerzähne und den Kontakt zu den Gegenzähnen. Bei Bedarf kann eine Röntgenaufnahme erforderlich sein. Digitale Abformungen oder ein 3D-Scan kommen nur dann zum Einsatz, wenn sie für die konkrete Fragestellung einen sinnvollen Informationsgewinn bieten.
Mögliche Maßnahmen sind eine gezielte Druckstellenkorrektur, eine Anpassung der Bisskontakte, eine Reparatur oder eine Unterfütterung. Bei der Unterfütterung wird die Innenseite einer herausnehmbaren Prothese an das veränderte Prothesenlager angepasst. Stark verschlissener, beschädigter oder grundsätzlich ungeeigneter Zahnersatz muss möglicherweise neu geplant werden.
Hält eine konventionelle Prothese trotz geeigneter Anpassungen nicht ausreichend, können je nach Knochenangebot und allgemeiner Mundgesundheit auch Implantate zur zusätzlichen Stabilisierung erwogen werden. Sie sind jedoch nicht für jeden Befund notwendig oder geeignet.
Wann ist eine Kontrolle beim Zahnarzt sinnvoll?
Sie sollten einen Zahnarzt aufsuchen, wenn Druckschmerzen anhalten, sich offene Stellen entwickeln oder Ihr Zahnersatz plötzlich deutlich schlechter sitzt. Gleiches gilt, wenn eine Krone oder Brücke locker erscheint, der Biss verändert ist oder Essen und Sprechen zunehmend schwerfallen.
Eine zeitnahe Kontrolle ist außerdem bei wiederkehrenden Rötungen oder Blutungen, bei stärkeren Schwellungen, bei Eiter oder auffälligem Geschmack, elektrisierenden Nervenschmerzen, Taubheit oder Gefühlsstörungen oder einer beschädigten oder gebrochenen Prothese angezeigt. Bei Fieber, einer rasch zunehmenden Schwellung, starken anhaltenden Schmerzen sowie Schluck- oder Atemproblemen ist eine dringende Abklärung erforderlich.
Verändern Sie Zahnersatz nicht selbst. Eigenständiges Schleifen, Biegen oder Kleben kann die Passung verschlechtern, die Beurteilung erschweren oder weitere Schäden verursachen. Eine Untersuchung hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen und die passende Maßnahme festzulegen. Wenn Sie Ihren Zahnersatz in Marl kontrollieren lassen möchten, können Sie einen Termin zur Befundklärung anfragen.
FAQ: Häufige Fragen zu Prothesen und Zahnersatz
Ist es normal, dass eine neue Zahnprothese anfangs drückt?
Ein ungewohntes oder leicht drückendes Gefühl kann in der ersten Eingewöhnung vorkommen. Bleiben die Schmerzen bestehen, entstehen wunde Stellen oder ist die Zahnprothese kaum zu tragen, sollte sie kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden. Beschleifen Sie die Prothese nicht selbst.
Kann man durch eine schlecht sitzende Zahnprothese krank werden?
Eine schlecht sitzende Prothese kann lokale Druckstellen, Entzündungen und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme fördern. Allgemeine Beschwerden beweisen jedoch nicht, dass Sie durch die Zahnprothese krank geworden sind. Die tatsächliche Ursache lässt sich nur durch eine Untersuchung klären.
Warum hält meine Zahnprothese im Unterkiefer beim Essen nicht?
Im Unterkiefer ist die Auflagefläche kleiner, während Zunge und Mundboden die Prothese bewegen können. Zusätzlich können sich Kiefer, Biss und Sitz der Prothese verändert haben. Je nach Befund kommen Anpassung, Unterfütterung, Neuplanung oder eine Stabilisierung durch Implantate infrage.
Was sollte ich tun, wenn eine Zahnkrone oder Zahnbrücke zu hoch oder locker wirkt?
Lassen Sie den Zahnersatz zeitnah untersuchen. Verändern oder kleben Sie ihn nicht selbst. Kontrolliert werden unter anderem Biss, Befestigung, Randbereiche und die tragenden Zähne. Welche Maßnahme erforderlich ist, hängt von der festgestellten Ursache ab.
Literatur
Gendreau, Linda, and Zvi G Loewy. “Epidemiology and etiology of denture stomatitis.” Journal of prosthodontics : official journal of the American College of Prosthodontists vol. 20,4 (2011): 251-60. doi:10.1111/j.1532-849X.2011.00698.x